Vom 16. Jahrhundert bis in die Gegenwart
Aus dem Nachlass dargestellt von Peter Brunner
Die Publikation «Die Sippe Brunner ‹Chlijoggen› (Klijoggen) von Zumikon» zeichnet die Geschichte eines alten Zürcher Familienzweigs über elf Generationen hinweg nach – von den ersten nachweisbaren Vorfahren im späten 16. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Ausgangspunkt ist das Dorf Zumikon mit seinen Weilern Gössikon und Waltikon, wo die Familie Brunner während Jahrhunderten zu den prägenden Geschlechtern gehörte. Der Familienname selbst geht auf das mittelhochdeutsche Wort «brunne» («Quelle») zurück und verweist auf die tiefe Verwurzelung der Familie in der Region.
Im Zentrum steht die sogenannte «Chlijoggen»-Linie der Brunner. Ihre ersten bekannten Vertreter, Jakob «Klijoggeli» Brunner und Dorothea Hauser, legten im frühen 17. Jahrhundert den Grundstein für eine Familientradition, die bis heute fortbesteht. Der Beiname «Klijoggeli» – «kleiner Jakob» – verweist zugleich auf die dichte Verwandtschaftsstruktur im Dorf und die Notwendigkeit, die zahlreichen Brunner-Linien sprachlich voneinander zu unterscheiden. Weitere Namenszusätze wie «Chlijoggeli», «Sagenfeilers» oder «Schufis» machen deutlich, wie eng familiäre, soziale und wirtschaftliche Beziehungen in der ländlichen Gemeinschaft verflochten waren.
Die Darstellung verbindet genealogische Forschung mit Dorfgeschichte, historischen Quellen, Fotografien und persönlichen Reflexionen über Erinnerung, Herkunft und familiäre Kontinuität. Dabei entsteht weit mehr als ein Stammbaum: eine soziale und kulturelle Geschichte des Zürcher Lands über mehrere Jahrhunderte hinweg. Die Familiengeschichte wird immer wieder mit grösseren historischen Entwicklungen verknüpft – mit der Reformationszeit und der Täuferbewegung, mit Pestzügen, den klimatischen Krisen der «Kleinen Eiszeit», dem Bevölkerungswachstum sowie den tiefgreifenden Veränderungen von Landwirtschaft und Dorfgemeinschaft bis ins 19. und 20. Jahrhundert.
Die Brunner waren eng mit der Gemeinde Zumikon und ihren politischen, sozialen und wirtschaftlichen Entwicklungen verbunden. Über Generationen hinweg treten Familienmitglieder als Bauern, Kirchmeier, Gemeindevertreter oder Mitglieder lokaler Institutionen auf. Die Geschichte der Familie ist geprägt von harter Arbeit, von Anpassung an wechselnde Lebensbedingungen und von einer starken lokalen Verwurzelung. Die Brunner zählten einst zu den führenden Familien des Dorfes – umso bemerkenswerter erscheint es, dass davon heute kaum noch etwas sichtbar ist.
Besondere Bedeutung kommt den erhaltenen Fotografien und Dokumenten aus dem Familiennachlass Brunner-Mörgeli zu, die systematisch erschlossen wurden. Sie reichen von frühen Studioaufnahmen bis zu persönlichen Briefen und erlauben intime Einblicke in die Lebenswelten späterer Generationen. Dadurch erhält die Darstellung stellenweise einen essayistischen und autobiografischen Charakter: Familiengeschichte erscheint nicht nur als historische Rekonstruktion, sondern auch als Suche nach den eigenen Wurzeln und nach Spuren familiärer Identität.
Die Publikation versteht Familiengeschichte ausdrücklich als offenen Prozess. Erinnerung, Überlieferung und historische Forschung ergänzen sich gegenseitig und formen aus fragmentarischen Quellen ein vielschichtiges Bild einer Zürcher Familie über mehr als vier Jahrhunderte hinweg. Die Geschichte der Brunner bleibt dabei bewusst ein Mosaik aus Fragmenten, Ahnungen und unvollständigen Erzählungen. Gerade dieser unabschliessbare Charakter – die Möglichkeit, Überliefertes immer wieder neu zu hinterfragen und zu deuten – macht den besonderen Reiz dieser familiären Erbschaft aus.
Details zur Familiengeschichte siehe: «Die Sippe Brunner-Chlijoggen (Klijoggen) von Zumikon» – PDF
Fotos zur Familiengeschichte Brunner-Mörgeli
Dreimal mein Grossvater Heinrich Brunner-Mörgeli (1883–1963): links in früher Jugend, in der Mitte einige Jahre älter, rechts im Erwachsenenalter
