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Familie Brunner-Mörgeli

Melioration Reussebene, um 1924. Rechts neben dem Fahrzeug: Wahrscheinlich Heinrich Brunner-Mörgeli. Foto aus dem Nachlass Brunner-Mörgeli

Betreuung des Familiennachlasses Brunner Mörgeli

Heinrich Brunner (15.09.1883-14.02.1963, Bürgerort: Zumikon) und Anna Olga «Tagi» Brunner-Mörgeli (21.07.1886-07.01.1960, Bürgerort: Mönchaltorf) und der Kinder Heinrich «Heiri, Heich» (16.06.1913-31.08.1977), Olga (09.09.1914-24.01.2001), Johann Ferdinand «Ferdi, Fek» (10.12.1921-11.10.1985) und Verena Gertrud «Trudi» (30.03.1925-01.07.2011).

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Zwischen Archiv und Erzählung

Der Nachlass Brunner-Mörgeli bildet die Grundlage meiner langjährigen familiengeschichtlichen Forschung. Im Zentrum stehen historische Dokumente, Fotografien, Briefe, Erinnerungen und Alltagsgegenstände aus mehreren Generationen einer Zürcher Familie. Ausgehend von diesen Quellen entstehen Arbeiten, die genealogische Forschung mit Sozial-, Kultur- und Ortsgeschichte verbinden.

Die Projekte verstehen Familiengeschichte nicht nur als Rekonstruktion von Abstammungslinien, sondern als Versuch, vergangene Lebenswelten sichtbar zu machen. Sie fragen nach Herkunft, Erinnerung, sozialen Beziehungen und den historischen Bedingungen, unter denen Menschen lebten. Im Mittelpunkt stehen dabei immer wieder die Verflechtungen zwischen persönlicher Biografie und gesellschaftlichem Wandel.

Zu den zentralen Arbeiten gehören die Dokumentationen Die Mörgelis – Zwischen Schlatt und Mönchaltorf, Die Sippe Brunner «Chlijoggen» von Zumikon sowie die biografische Studie Heiri, Heich, Enrico – Die vielen Leben des Heinrich Brunner. Gemeinsam zeichnen sie ein vielschichtiges Bild Zürcher Familien- und Alltagsgeschichte vom 16. Jahrhundert bis in die Gegenwart.

Was habe ich damit vor?

Angedacht ist ein literarisches Schreibprojekt, das ausgehend von exemplarischen Episoden und Schlüsselfiguren der Familiengeschichte eine erzählerische Erweiterung sucht. Nicht die lückenlose Chronik steht dabei im Vordergrund, sondern das Fragmentarische, die Atmosphäre und die Leerstellen. Fiktion entsteht dort, wo der Nachlass schweigt.

Mögliche Arbeitsrichtungen:

Heiris lebensreformerisches Leben in Meraggia bietet eine ideale literarische Vorlage: ein abgelegener Ort, utopische Ideen, Nachkriegsschweiz, Eigenbrötlertum, Natur, Gemeinschaft und Scheitern.

Denkbar wäre auch eine essayistische Erzählweise entlang von Nachlassgegenständen – Möbel, Spazierstock oder Taschenuhren. Ein Pendeln zwischen Recherche, autobiografischer Reflexion und Erzählung. Fotografien, Spaziergänge, Archivfunde und heutige Beobachtungen verbinden sich mit historischen Episoden. Eine Form, wie sie bereits in den Stadtminiaturen Leu und Meier erprobt wird: Dinge als Speicher von Erinnerung und Zeit.

Ebenso reizvoll erscheint eine polyphone Familienerzählung mit verschiedenen Stimmen und Textformen: Briefe, Feldpostkarten, Tagebücher, Dorfgerüchte, amtliche Akten oder innere Monologe. Dadurch entstünde kein geschlossenes Familienbild, sondern ein Geflecht aus Perspektiven und Erinnerungen.

Auch die Topografie der Familie könnte zum erzählerischen Ausgangspunkt werden: Schlatt, Nussberg, Zumikon, Zürich, Gotthard oder Meraggia. Jeder Ort trägt eigene Zeit- und Stimmungsschichten in sich. Daraus liesse sich eine literarische Kartografie der Familie entwickeln.

Heute ist vor allem eines klar: Mich interessieren Geschichten, die bereits spürbar sind, sich aber ihrer endgültigen Form noch entziehen. Der Ideenfänger hat die Idee noch nicht gefunden. Aber vielleicht ist gerade dieses Suchen bereits Teil der Erzählung.

Peter Brunner, 1. Juni 2026